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Getriebeumbau am M 116 - 350 SE
Die 350er Motoren zeichnen sich durch Langlebigkeit und
ausreichendem Tem- perament aus. Dennoch waren sie wegen ihres hohen
Spritverbrauchs nie sehr be- liebt. Jürgen hat sich nicht damit abfinden wollen und einen Getriebe- und
Diffe- |
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Getriebeumbau am M 116 - 350 SE
rentialumbau ausgetüftelt, der es zuläßt den Wagen auch heute noch
wirtschaftlich zu bewegen. Wegen der baugleichen Technik ist der Umbau
auch für 107er interessant! |
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Wer diese Geschichte bis zum Ende lesen will, sollte sich ein Bier oder einen
Kaffee holen, die Füße auf den Tisch legen und sich Zeit nehmen, es dauert etwas
länger.
Wir kauften 1987 einen ganz normalen 116er. Typ 350 SE, Bj.: 8/75, elektronische
Einspritzung (D-Jetronic – D wie durstig), 3-Gang-Wandlerautomatik. Der
Verbrauch lag, je nach Fahrweise, zwischen 14 und 18 Litern pro hundert
Kilometern. Heute hat der Wagen eine 4-Gang-Wandlerautomatik, verlängerte
Antriebsübersetzung und einen Verbrauch von 11 bis 13,5 Litern, bei normaler
Fahrweise. Bei Geschwindigkeiten über 170km/h steigt der Verbrauch auf etwa 15
Liter. Mit dieser verlängerten Antriebsübersetzung bin ich ca. 200.000 km
gefahren und habe an den Tankstellen, bis heute, einen Betrag von 12.000,– DM
eingespart. Das müßt Ihr euch mal reinziehen, zwölftausend Mücken (möge Hänschen
mir verzeihen).
Neugierig geworden??? Dann lest weiter.
Begonnen hat eigentlich alles mit dem Kauf eines gebrauchten Drehzahlmessers,
der mich immer öfter über das Drehzahlniveau unseres Achtenders nachdenken ließ.
Bei 100 km/h 3.000 Umdrehungen, bei 170 km/h 5.200 Umdrehungen, verglichen mit
moderneren Fahrzeugen, war das Drehzahlniveau doch ein bischen hoch. Nach der
Restaurierung (anno 1992), nahmen meine Überlegungen konkretere Formen an. Ein
Arbeitskollege fuhr einer 380 SE, Typ 126, welcher mit einer 4-Gangautomatik
ausgerüstet war, mit einem Verbrauch von 11 bis 15 Litern auf 100 km. Da der
vierte Gang, wie bei dem 3-Gang Getriebe, direkt übersetzt (1,00:1) war, nutzte
mir das Getriebe allein nichts. Nun begann ich Informationen zu sammeln.
Irgendwo mussten die verschiedenen Übersetzungsverhältnisse ja herkommen. In dem
Buch „Deutsche Autos 1945-1975“ von Werner Oswald, wurde ich fündig. Die
Hinterachsen waren unterschiedlich übersetzt. Ich erstellte mir
Drehzahldiagramme, um zu sehen bei welchen Drehzahlen, in welchem Gang, welche
Geschwindigkeiten erreicht werden.

Die Übersetzung des 6,9er’s schien mir die beste Lösung zu sein. Der
6,9er hat eine Übersetzung von 2,65:1, der 350er hat 3,46:1. Der Motor des 350er
macht 3,46 Umdrehungen, das Hinterrad eine. Der 6,9er macht 2,65 Umdrehungen,
das Rad eine, also deutlich weniger Drehzahl bei gleichem Weg. Hieraus ergibt
sich bei 100 km/h eine Drehzahl von 2.300 Touren, vorher 3.000 Touren. Davon
erhoffte ich mir einen geringeren Benzinverbrauch.
Also her mit den Sachen!!! Um eventuellen Schwierigkeiten vorzubeugen, bat ich
einen anderen Arbeitskollegen, seinen Bruder bei der Mercedes-Benz-Vertretung zu
fragen, ob das 380er Getriebe auf den 350er Motor passt. Da dieser Bruder (ein
Meister) dies nicht wusste, fragte dieser Bruder in Stuttgart nach und bekam
folgende Antwort: „Datt passt!!!“
In Schleswig Holstein fand ich ein 380er Getriebe für 500,– DM, auf einem
Schrottplatz in Hamburg ein Differential vom 6,9er für 700,– DM. Der
Schrottfritze sagte mir aber, dass das Getriebe nicht passen würde. Mit einem
unguten Gefühl fuhr ich nach Hause und versuchte das 380er Getriebe an meinen
alten, ausgebauten Motor anzuflanschen. „Passt nicht, oh shit.“ Beide
Motoren tragen zwar den selben Motorencode M116, sind aber zwei völlig
verschiedene Motoren. Diese verdammten technischen Analphabeten, man sollte sie
alle erschießen. „Wat nu??“
Nachdem ich das Getriebe mit einem kleinen Gewinn wieder verkauft hatte, suchte
ich nach einer anderen Möglichkeit meinen Plan zu verwirklichen. In Heribert
Hofners Literatur „Mercedes Benz Automobile“ stand, dass beim Modellwechsel vom
108er zum 116er die Getriebe fast unverändert weiterverwendet wurden. Die neue
3-Gang-Automatik der 8-Zylinder wurde im gleichen Gehäuse untergebracht. „Da
muss sich doch was machen lassen.“
So kam ich auf die Idee, das Automatikgetriebe eines 280 SE 6-Zylinders mit der
Getriebeglocke des 8-Zylinders zu versehen, denn die 280er hatten ja
4-Gang-Automatik, welche im zweiten Gang anfuhr, aber damit hätte ich leben
können. Also kaufte ich ein 6-Zylindergetriebe, Öl, Dichtungen und was man sonst
noch so braucht, um einen solchen Umbau durchzuziehen. Das Differential ließ
sich problemlos austauschen, obwohl mir ein anderer KFZ-Meister gesagt hatte,
dies ginge nicht. „Ich kann das!!“ Mit dem Getriebe war es dann leider doch
nicht so einfach, wie ich mir das vorgestellt hatte. Die Gehäuse waren von der
Glocke an zwar gleich, doch das Innenleben
logischerweise völlig anders. Die Glocke passt zwar auf das Gehäuse, aber eben
nicht mit dem Innenleben zusammen.

W116, 3,5 L-Getriebe,
3-Gang mit Antriebswelle |
W109, 3,5 L-Getriebe,
4-Gang mit Antriebswelle |
So musste ich die 3-Gang-Automatik erst einmal wieder einbauen. Das Differential
aus dem 6,9er machte sich positiv bemerkbar. Der Benzinverbrauch sank um 3-4
Liter pro 100 Kilometer. Der Motorölverbrauch wurde verschwindend gering. Die
Drehzahlen bei hohen Geschwindigkeiten waren angenehm niedrig. Nur der erste
Gang reichte jetzt von 0-120 km/h, das war doch etwas zu lang. Der zweite Gang
reichte bis 180 km/h, der dritte Gang bis (rechnerisch) 262 km/h. Um diese
Endgeschwindigkeit zu erreichen, fehlen ein paar Liter Hubraum. 240 km/h bei
5.500 Umdrehungen schaffte der Motor und das genügte mir. Eine
Dauergeschwindigkeit von 200 km/h waren bei lächerlichen 4.600 Touren kein
Problem, wenn die Autobahn mal frei wäre. Zum Thema Getriebe, gehts jetzt ans
technisch Eingemachte. Ich spielte mit dem Gedanken, die 4-Gang-Automatik eines
W 109, 3,5 L einzubauen, leider war das 109er-Getriebe mit einer hydraulischen
Kupplung ausgerüstet, welche die Schaltvorgänge keinem Mitfahrer vorenthielt,
die Schaltvorgänge wären deutlich spürbar gewesen. Das konnte ich keinesfalls so
hinnehmen.
Wieder studierte ich die Literatur und fand folgenden Hinweis; Mercedes Benz hat
damals die 108er-109er-Automatik von hydraulischer Kupplung auf den
hydraulischen Drehmomentwandler umgerüstet und hat das Ganze im 116er
weiterverwendet. Leider nur bei den 6-Zylindern. Na, das kann ich doch wohl
auch. Nachdem ich günstig an ein Getriebe eines W 109, 3,5 L gekommen war,
startete ich den nächsten Versuch. Nun mag sich der ein oder andere fragen,
warum ich nicht einfach die 109er-Automatik eingebaut habe?? Die Antwort ist;
ich wollte eine butterweich schaltende 4-Gang-Automatik, das wäre mit der
Kupplungsautomatik nicht machbar gewesen.
Worin besteht nun der Unterschied zwischen der hydraulischen Kupplung und dem
Wandler?! Die Kupplung besteht aus Schaufelrad und Turbinenrad. Der Motor treibt
das Schaufelrad an. Das Schaufelrad presst das in der Kupplung befindliche Öl
mittels Lamellen ins Turbinenrad, das durch den Druck des Öls in eine
Drehbewegung versetzt wird. Das Turbinenrad überträgt die Kraft auf die
Getriebeantriebswelle. Der Wandler hat ein zusätzliches Rad, das Leitrad. Das
Leitrad sitzt auf einer zusätzlichen Welle, der Hohlwelle. Das Öl wird vom
Schaufelrad, durch das Leitrad, in das Turbinenrad gepumpt. Da das Leitrad
feststeht, entsteht eine Drehmomentwandlung, daher auch der Name
Drehmomentwandler, das heißt im Klartext; der Wandler stützt sich mit dem
Leitrad auf der Hohlwelle ab, wodurch das Drehmoment verstärkt wird.
Zunächst entfernte ich die Getriebeglocken, mal gucken was da zum Vorschein
kommt. Die 280er-4-Gang-Automatik und die l09er-Automatik sind im Prinzip
baugleich, nur der erste Planetensatz und die Bremsbänder sind beim 109er, auf
Grund des höheren Drehmoments, kräftiger ausgelegt. Aus diesem Grund konnte ich
die 6-Zylinder-Automatik nicht verwenden, denn die Getriebeantriebswelle hätte
nicht weit genug durch die Hohlwelle hindurch, aus der Glocke herausgeguckt. Um
bei der 109er-Automatik den Wandler verwenden zu können, musste ich zunächst die
Getriebeantriebswelle aus der 6-Zylinder-Automatik ausbauen und in
die 109er-Automatik einbauen, denn die 6-Zylinder-Welle ist etwas dicker und hat
am vorderen Ende eine Bohrung. Am hinteren Ende war das Zahnrad (Sonnenrad) bei
beiden Wellen gleich.

W116, 2,8 L-Getriebe,
4-Gang mit Antriebswelle |
W116, 2,8 L-Getriebe,
4-Gang ohne Antriebswelle |
Die Getriebeglocke vom 109er konnte ich nicht gebrauchen, da die Öffnung in der
Mitte, wegen der nicht vorhandenen Hohlwelle, zu klein war. Ich musste also eine
116er-8-Zylinder-Glocke nehmen. Diese war aber auf der Innenseite anders
aufgebaut, als die der 4-Gang-Automatik. Bei beiden Getriebeglocken war
ein Kugellager auf der Innenseite, das die Getriebeantriebswelle führte.

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W109, 4-Gang, mit Kugellager
außen drehend
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W116, 3-Gang, mit Kugellager innen drehend
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Bei der
3-Gang-Automatik wurde der äußere Ring des Lagers von einem in der Glocke
befindlichen Rand gehalten. Der innere Ring drehte frei. Bei der
4-Gang-Automatik sitzt der innere Ring auf der Hohlwelle, die
deshalb auch ein Stück länger ist als bei der 3-Gang-Automatik, der äußere Ring
dreht frei.

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Kurze Hohlwelle, W116, 3-Gang (oben)
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Lange Hohlwelle, W116, 4-Gang (unten) |
Ich baute bei beiden Glocken die Ölpumpen, die Hohlwellen und die Kugellager
aus. Bei der 8-Zylinder-Glocke (3-Gang) habe ich den Rand, der das Kugellager
festhielt, mit einem Winkelschleifer entfernt und die Glocke gereinigt.
Jetzt konnte ich die längere Hohlwelle der 4-Gang-Automatik in die
8-Zylinder-Glocke einbauen und auf die Welle das Kugellager aufsetzen, bei dem
sich jetzt der äußere Ring frei dreht und der innere feststeht. Jetzt noch die
Ölpumpe wieder rein, fertig. „War doch ganz einfach, nicht???“

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W116, 3-Gang-Glocke, vor
der Bearbeitung, mit Kugellager innen drehend
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W116, 3-Gang-Glocke, nach der Bearbeitung, mit Kugellager außen
drehend, jetzt passend für das
109er-4-Gang-Getriebe
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Ich schraubte nun die umgebaute 116er-8-Zylinder-Glocke auf das 109er-Getriebe
und konnte nun, statt der hydraulischen Kupplung, einen hydraulischen
Drehmomentwandler verwenden. Jetzt mag ja manch einer glauben, ich sei pingelig,
denn ich wollte nicht irgendeinen Wandler, oh nein, es musste ein ganz
bestimmter sein, nämlich der eines 450ers. Warum?! Ganz einfach; der Wandler
vom 450er ist größer, enthält also auch mehr Öl, schaltet daher weicher
und er verstärkt das Drehmoment um das 2,5-fache, während alle anderen Wandler
nur eine 2,2-fache Drehmomentverstärkung aufweisen können.

Kleiner Wandler,
3,5 L |
Großer Wandler,
4,5 L |
Uff! Jetzt muss das Ganze nur noch funktionieren.
So bereitete ich, zwei Wochen vor dem Jubiläumstreffen in Bad Wildungen, den
Umbau vor. Ich muss dazu noch bemerken, dass ich weder eine Hebebühne, noch eine
Grube zur Verfügung habe, sondern nur eine ganz einfache Garage. Mit Hilfe eines
kleinen Rangierwagenhebers stellte ich unseren 116er auf alte, ausrangierte, auf
dem Boden liegende Felgen (mit Reifen), so dass ich genug Platz hatte, um mich
mit meinem Rollbrett unter den Wagen zu legen. Batterie abklemmen, Auspuff in
einem Stück unterraus, Kardanwelle abgeschraubt. Getriebeöl ablassen sollte man
auch nicht vergessen. Nachdem der Anlasser und die Wandlerschrauben gelöst
waren, konnte ich die letzten Schrauben rund ums Getriebe herausnehmen. Zum
Absenken des Getriebes nahm ich den kleinen Rangierwagenheber zur Hilfe. Auf den
Arm des Wagenhebers legte ich ein Stück Holz und pumte den Wagenheber hoch. Ein
kurzer Ruck, damit das Getriebe aus der Führung herauskommt und dann ganz
vorsichtig den Wagenheber herunterlassen. Um auf diese Art ein Automatikgetriebe
auszubauen, sollte man schon ein gutes Augenmaß haben, denn wenn der Wagenheber
nicht ganz genau in der Mitte untergestellt ist knallt einem das Dingens auf den
Pelz. Da so ein Getriebe etwas mehr wiegt als ein halbes Hähnchen, gibt das
immer so häßliche Beulen.
Der Einbau sollte, um Schwierigkeiten zu vermeiden, in umgekehrter Reihenfolge,
erfolgen.
So kam dann der große Moment. Motor gestartet, Fahrstufe eingelegt und . . . und
. . . . na was schon, der Wagen bewegte sich. Zunächst musste ich noch Öl
nachfüllen, denn ich wusste ja nicht wie viel Öl in ein selbst gebautes Getriebe
hineingehört, bei Mercedes Benz nachzufragen hätte wohl wenig Sinn gehabt. Erste
Probefahrt! Die Gänge schalteten nacheinander durch, ich durfte nur nicht zuviel
Gas geben, denn der Motor drehte durch, die Bremsbänder packten nicht richtig
zu. Eine normale Beschleunigung war nicht möglich. Auch die Verstellung des
Modulierdruckes am Getriebe über die Unterdruckdose
brachte keine Verbesserung.

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Oben: die neuere Version ab Bj. 76
Unten: die ältere Version bis Bj. 76
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Über diese Unterdruckdosen werden die, durch den im Ansaugtrakt
herrschenden Unterdruck, Schalt- vorgänge beeinflusst.
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„Wat nu ???“
Die Rübe rauchte. Da die Bremsbänder in allen Fahrbereichen durchrutschten, ging
ich davon aus, dass mit dem Arbeitsdruck im Getriebe irgendetwas nicht stimmte.
„Ob ich vielleicht die Ölpumpe in der Getriebeglocke falsch zusammengebaut
habe???“ Na denn. Am gleichen Tag fing ich an das Getriebe wieder auszubauen.
Ich schraubte die Glocke ab und zerlegte die Ölpumpe. Die Pumpe war richtig
zusammengesetzt. Dann musste der Fehler wohl im Steuerschiebergehäuse liegen. Es
kann sich sicher jeder vorstellen, was jetzt kommt?! Richtig, auch davor macht
mein Basteltrieb nicht halt. Das muss wohl noch aus meiner Kindheit irgendwie
hängen geblieben sein, denn schon als Kind habe ich jedes Modellauto das ich
geschenkt bekam erst einmal zerlegt und wieder zusammengebaut.
Ich baute die Ölwanne ab und schraubte das Steuerschiebergehäuse heraus. Um beim
Zerlegen des Steuergehäuses keinen Fehler zu machen, nahm ich erst das Gehäuse
des 6-Zylinder-Getriebes auseinander, danach das 109er Gehäuse. Nachdem ich
beides auch wieder zusammenbekommen hatte, wollte ich das Steuergehäuse wieder
einbauen. In der Ölwanne entdeckte ich etwas, was dort offensichtlich nicht
hingehörte. Es sah aus, wie ein Stück Pappe, etwa so groß wie ein Markstück. Ein
Stück vom Bremsband? „Oh Himmel, hilf.“
Um mir Klarheit zu verschaffen, untersuchte ich erst einmal das 3-Gang-Getriebe,
das ich vor einiger Zeit aus purer Neugier auseinandergenommen hatte. Das Stück
Pappe, das ich in der Ölwanne gefunden hatte, war tatsächlich ein Teil vom
Bremsband.
„Ohhhh, riesen bullshit!!!!“

Roter Pfeil: deutlich erkennbar, der fehlende Bremsbandbelag
Aufgeben und das Ding in die Tonne hauen? Nein, das konnte ich einfach nicht.
Jetzt musste ich weitermachen. Mit äußerster Vorsicht begann ich das Getriebe zu
zerlegen. Nachdem die ersten beiden Planetensätze entfernt waren, konnte ich die
Bremsbänder herausnehmen. Die beiden ersten Bremsbänder mussten erneuert werden,
das dritte Bremsband war in Ordnung.
Doch wo sollte ich so schnell neue Bremsbänder herbekommen, es war Wochenende,
übrigens das letzte vor Bad Wildungen. Da war doch noch die zerlegte
3-Gang-Automatik, also her mit den Bremsbändern. Die
Bremsbänder der
3-Gang-Automatik sind tatsächlich identisch mit denen, aus der 109er-Automatik.
Ich nahm also die Bänder aus der 116er-Automatik und baute sie in die
109er-Automatik. Nach und nach setzte ich das Puzzle wieder zusammen. Jetzt noch
das Steuergerät und die Getriebeglocke anschrauben, fertig.

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Oberes Bremsband vom W116,
3-Gang-Getriebe |
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Unteres defektes Bremsband vom
W109, 4-Gang-Getriebe |
Uff!! Ob das gut geht? Nach dem Einbau folgte auch gleich die Probefahrt.
Vorsichtig trat ich das Gaspedal ein bischen weiter durch. Wieder drehte der
Motor durch. Ich muss zugeben, dass ich jetzt doch ein wenig ratlos war.
Getriebeöl nachfüllen, Modulierdruck verändern, Bremsbandeinstellung, alles
Fehlanzeige.
Drei Tage vor Bad Wildungen, oh Mann, was konnte ich jetzt noch tun? Ich
überlegte, ob ich die alte 3-Gang-Automatik wieder einbauen sollte da kam mir,
wie sollte es auch anders sein, eine neue Idee. Ich wollte ein anderes
Steuergerät ausprobieren, aber welches? Ich baute das Steuergerät aus dem
6-Zylinder-Getriebe in das 109er-Getriebe und war gespannt ob es funktioniert.
Probefahrt! Der Wagen fuhr im zweiten Gang an, schaltete sauber in den dritten
und vierten Gang. Soweit war alles in Ordnung, nun trat ich langsam das Gaspedal
nieder. Der Wagen beschleunigte immer weiter, ohne durchzudrehen. Ich hielt an,
denn jetzt wollte ich es ganz genau wissen. Aus dem Stand raus, mit Kick down.
Das Getriebe schaltete in den ersten Gang, der Wagen ging vorne hoch, bei
vierzig zweiter Gang, bei neunzig dritter Gang, bei hundertsechzig musste ich
aufhören, die Straße war nicht lang genug.
Es klappte, hurra, allerdings mit einer kleinen Einschränkung. Beim Zusammenbau
des Steuergehäuses aus dem 6-Zylinder-Getriebe, hatte ich wohl einen kleinen
Fehler gemacht. Im Prinzip funktionierte das Getriebe, aber im normalen
Fahrbetrieb überging das Getriebe den zweiten Gang beim Runterschalten. Diesen
Umstand konnte ich aber umgehen, indem ich, wenn das Getriebe in den zweiten
Gang zurückschalten sollte, kurz auf „N“ schaltete und gleich wieder zurückging
in Fahrstufe „D“. So konnte ich doch noch meine selbstgebaute 4-Gang-Automatik
in Bad Wildungen vorstellen.
Da meine Frau die einzelnen Schritte mit dem Fotoapparat festgehalten hatte,
konnte ich anhand der Bilder meinen Umbau sehr gut dokumentieren. Als wir nach
dem Jubiläumstreffen wieder zu Hause waren, nahm ich das Steuergerät des 109ers
noch einmal auseinander, reinigte es und baute es wieder zusammen. Diesmal
klappte es.
Der Wagen fährt jetzt im ersten Gang an und schaltet die anderen Gänge
nacheinander durch. Durch den großen Wandler sind die Schaltvorgänge kaum
spürbar. Man muss schon sehr genau hinhören, um die Gangwechsel überhaupt zu
bemerken. Ich hatte es geschafft!!!
Das Ergebnis sieht so aus: der Wagen schaltet bei 15 km/h vom ersten in den
zweiten Gang, bei 45 km/h in den dritten und bei 75 km/h in den vierten Gang.
Bei Vollgas schaltet der Wagen bei 40 km/h in den zweiten Gang, bei 90 km/h in
den dritten und bei 180 km/h in den vierten Gang. Bei 200 km/h macht der Motor
4.600 Umdrehungen. Wer zu diesem Bericht noch Fragen hat, oder wissen möchte, ob
es auch für andere Modelle Umrüstungsmöglichkeiten gibt, kann sich gerne mit mir
in
Verbindung setzen.
Jürgen
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