Nicht immer ist eine defekte Motorblockdichtung schuldig, wenn ein 500SL Öl in der Landschaft oder auf den Boden der Garage verteilt. Björns geduldige Beobachtungen überführten eine verzogene Ölwanne am Automatikgetriebe der Inkontinenz. Was zu tun ist um den Schaden zu beheben und was ein "alter Meister" dazu meint, erfahrt ihr hier:
Fahrzeug: 500SL Bj. 86, 130.000 km, Motortyp: M117, nachgerüsteter Wurm Euro2 Katalysator
Werkzeug & Arbeitsmittel:
- Kreuzschlitz Schraubendreher
- Schrauberschlüssel: SW8, SW10, SW12, SW13, SW27
- Inbus: 5mm
- Motoröl: 7,7 L ATF, z.B. ATFIII von LiquiMoly
- Dichtung Getriebeölwanne
- Dichtung Ölablassschraube Getriebeölwanne
Position der Ölwanne (Hier: 450SL Bj.79)
Unter dem Wagen tropfte es, bei der Pappprobe entpuppte sich das Öl allerdings nicht als schwarzes Motoröl, sondern als rosafarbenes Getriebeöl. Das Problem war ein undichtes Automatikgetriebe, die Leckage betrug ca. 1l ATF /
6Monate bei stehendem Fahrzeug (ATF=Automatic transmission fluid). Sorgfältiges Reinigen des Getriebes und Beobachten über
ein oder zwei Tage ließ den Schluss auf eine „undichte Ölwannendichtung“
zu.
Die ausgebaute Ölwanne zeigte dann jedoch, dass diese durch zu starkes Anziehen
der mittleren Schrauben verzogen war, was anscheinend leider oft passiert. Die
Verformung von ca. 3mm war durch Auflegen eines über die Augen gelegten Lineals
deutlich zu sehen (im Bild zu sehen, dass die Oberkante abfällt).
Sichtbarer Verzug der Bodenwanne
Vorgehensweise
Auto horizontal aufbocken.
Der Ausbau der Ölwanne, in den MB Handbüchern mit zwei Punkten beschrieben,
ist wegen der 8-Zylinder-Auspuffanlage etwas fieselich.
Zunächst wird der vordere Ölwannenschutz abgebaut. Die Schrauben sind wegen der Vorkatalysatoren
und der Hitzeschutzbleche schwer zugänglich bzw. teilweise sogar verdeckt.
Vielleicht gilt dies nur bei den Wurm Kat-Anlagen mit Vorkatalysatoren. Ich habe
die Auspuffanlage von den Gummis abgehängt, etwas abgelassen und so 7 der 8
Schrauben (SW13) lösen können. Das reicht, um das Blech soweit nach unten
biegen zu können, um an die Schrauben der Ölwanne zu gelangen und diese
herauszubekommen. Besser wäre freilich, bei störenden Vorkatalysatoren den
Auspuff und die Bleche komplett abzunehmen.
Öl aus der Wanne und aus dem Wandler ablassen (5mm Inbus, am besten Steckschlüsseleinsatz).
Der Motor muss an der Kurbelwellenmutter (SW 27) in Laufrichtung durchgedreht
werden bis die Ablassschraube am Wandler sichtbar wird. Hierzu wird der
Ventilatorkasten aus Kunststoff (2 Klammern) und der Ventilator ausgebaut (4
Schrauben (SW10). Ventilator in Einbaulage stellen!! Nicht legen, da dadurch die
Viskokupplung beschädigt wird. Es verbleibt ein ordentlicher Rest Öl in der Ölwanne,
das beim Herausheben derselben den Garagenboden versauen kann.
Die Ölwanne ist mit 6 Schrauben (SW 13) befestigt. Um sie herausnehmen zu können
musste die Schelle (SW12 und SW13) und das Hitzeschutzblech (SW8) des Überströmrohrs
des Auspuffs abgenommen werden. Dies entfällt natürlich auch, wenn man gleich
den kompletten Auspuff abnimmt.
Der Getriebeölfilter ist nach Abnahme der Ölwanne zugänglich und ist mit drei
Kreuzschlitzschrauben befestigt. Man benötigt einen Kreuzschlitzschraubendreher
mit kurzem Griff oder Steckschlüsseleinsatz.
Die neue Ölwanne (ca. 50 € bei MB, nach Aussage eines Mercedesmeisters „an rechter
Scheißdreck“, weil oft verzogen)) kann nun mit neuer Dichtung
angesetzt werden. Die 6 Schrauben werden über Kreuz mit steigendem Drehmoment
bis max. 7Nm angezogen. Da 7 Nm nicht viel mehr als zweimal handfest sind, ist
ein Drehmomentschlüssel unbedingt zu empfehlen, sonst hat man den gleichen Mist
wieder.
Ölablassschrauben wieder einsetzen, am besten mit neuen Dichtringen, und mit
14Nm anziehen.
Dann den ganzen Auspuff- und Ventilatorsermon wieder anschrauben.
4 Liter Öl einfüllen, Motor starten und Gänge langsam durchschalten um den
Wandler zu füllen. Noch mal gut 3 Liter Öl nachfüllen, solange bis das Öl am
unteren Ende des Messstabs steht. Wenn man dann das Getriebe gut warm gefahren
hat, kann man den Ölstand durch Nachfüllen jeweils kleiner Mengen richtig
stellen (Motor läuft, Stellung P). Hierzu ist etwas Geduld erforderlich, da das
Getriebe keinesfalls überfüllt werden darf.
Das ganze ist, da man eben überall irgendwie schlecht rankommt etwas knifflige
Arbeit, aber im Grunde kein Hexenwerk und auch vom normalen Hobbyschrauber gut
zu bewältigen.
Björn
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