Öl an Ostern
Ein trüber Tag, der diesährige Ostersonntag und so beschloss ich, ihn in den heimischen Wänden statt wandernd in den Wäldern zu verbringen, für den Nachmittag war Besuch angekündigt, was den Tag keineswegs weniger grau und trist erscheinen ließ.
Aber, es gibt ja immer ein wenig Frohsinn, wenn man Hobbys hat, mit denen man sich beschäftigen kann. So erkletterte ich voller Tatendrang die in meiner Einfahrt abgestellte Virus und begann dort ein wenig "Klarschiff" zu machen. Ich hatte diverse Wartungsarbeiten erledigt, einen Sensor zu Motorraumtemperatur eingebaut, welcher automatisch einen Lüfter zuschalten sollte und die neu installierte, hydraulische Lenkung wollte ich auch noch einmal entlüften um auch sicher Kurs halten zu können.
Dabei kam mir eine Mail von Gismo in den Sinn, (ich hatte ihm mal Bilder gemacht) in der er die Hydraulikflüssigkeit im Vorratsbehälter meiner Lenkung rügte.
Ja, er hatte Recht, doch die Action "Bilder der Ablassschraube" waren mir noch unangenehm in Erinnerung. Da ich nicht über Bühne oder Grube verfüge und das Auto auch nicht aufbocken mochte, blieb nur, einen Läufer neben das Auto zu legen, ächzend darauf nieder zu sinken, die Digi unter das Auto zu und in etwa in die richtige Richtung halten. So machte ich ca. 30 Fotos, in der Hoffnung, eines möge dabei sein, das die Schraube zeigt.
Die Auswertung am PC war dann wirklich erfolgreich, doch meine Motivation, das Öl dort abzulassen auf ein Minimum geschrumpft.
Ich hasse es, unter das Auto zu kriechen und ich hasse es noch mehr, über Kopf in engen Winkeln zu arbeiten, im Geiste sah ich die Schraube auf mich niedersausen, gefolgt von stinkender alter Hydraulikflüssigkeit, hu, zum Schütteln!
Doch so gegen Mittag lupfte ich dann doch den Autopyjama und zog am Haubenzug! Klack....hoch damit. Da lag er nun vor mir, der olle V8, ein wenig gereinigt hatte ich ihn vor kurzem noch, nur das alte Öl, das war immer noch in ihm, sowohl in der Lenkung als auch in der Ölwanne.....nach einigen Minuten begab ich mich dann wieder zu Boden und drehte die Ölablassschraube der Ölwanne heraus, da kam ich, nach leichtem Anheben mit dem Wagenheber, von vorn ganz gut bei. Ein Heizlüfter gab mir und der Maschine ein wenig Wärme, so das sein Lebenssaft langsam austropfen konnte. Neues Öl, natürlich aus dem Bauhaus, 5,95 Euro das Fünflitergebinde, stand seit dem Herbst bereit.
Etwa 2 Stunden später, auch der letzte Tropfen fand seinen Weg in die Auffangschale, verschloss ich die Wanne wieder und befüllte sie neu mit dem goldenen Saft.
Dann, etwa 7,5 Liter waren eingeflossen, schraubte ich zwischendurch, ein wenig zögerlich den Deckel der Servo- Pumpe ab....ihh, so eine Brühe. Missmutig führe ich also den Zeigefinger meiner linken Hand in diese trübe Brühe ein um den Grund zu ertasten. Eine schleimige Substanz auf dem Grund fühlte sich derart eklig an, das ich mich entschloss, wenigstens das bisschen Öl im Behälter zu wechseln und diesen zu reinigen.
Ein passender Absaugschlauch genommen und das Ding leergesaugt. Unten fand sich ein Teil, das so aussah wie das runde Lochblech im Ablauf meiner Badewanne, darunter ein weiterer Hohlraum, das Lochblech wurde von einer Feder gehalten, die ich kurz entschlossen ebenfalls ausbaute, dann folgte eine Art Abstandshalter undefinierbarem Materials und ein weiteres Blechteil.

Diese Sachen waren mit einer dicken Ölschlammschicht überzogen, die ich natürlich entfernte. Jetzt aber war mein Ehrgeiz geweckt, doch alles Öl ersetzen zu wollen!
Doch wie, ohne unter die Kiste zu müssen?
Eine Tasse Kaffee und eine Selbstgedrehte halfen mir beim Denken, die Pumpe pumpt, also läuft was rein und auch wieder raus, rein für gewöhnlich oben und raus, damit keine Luft gezogen werden kann, natürlich unten. Ja, da waren die beiden Öffnungen, da sollte doch was machbar sein. Ein passender Schlauch, (Luftschlauch für Aquarien) war schnell gefunden und mit einigen Lagen Isolierband umwickelt, passen für die Rücklaufleitung präpariert.
Den steckte ich also in die erwähnte Öffnung und dachte dann daran, den Motor zu starten um die Sache durchzuspülen....doch, würde es halten, würde ich mit dem Nachfüllen schnell genug sein? Madame rufen? Hmm,...nee lieber nicht, eine Ölfontäne im Motorraum und ihr tropfender Ehegatte könnten auch nach annähernd 27 Ehejahren eine gewisse, (weibliche) Belustigung hervorrufen, was gepaart mit dem Misslingen einer guten Idee und "Öl überall" doch schon eine gewisse Spannung herbeiführen würde!
Also erst einmal wieder ins Haus getrottet, die Kaffeemaschine aktiviert, eine neue Kippe gedreht und den PC eingeschaltet. Noch mal den Artikel von Holger in der Sternzeit durchgelesen, ist immer wieder schön, wenn andere 107 Fans da schon einmal bei waren....keine neuen Erkenntnisse, also wieder ab zum Auto und grübelnd in den Motorraum geschaut. Ha, die Pumpe mit einer Bohrmaschine drehen, schön sachte, dann kann nichts anbrennen,.....Spannschraube lösen,.....grrrrrhmmpf...sitzt die fest, was ist denn das wieder für eine Mimik? Ah, ist ein "Verstellzahnrad", welches in eine Verzahnung eingreift, soso, da kann ich lange drehen! Erst die vordere Kontermutter (alles in Fahrtrichtung gesehen) links lösen, dann die untere Schraube rechts an der Pumpe gelockert und schon lässt sich die Zahnscheibe hinten links an der Pumpe verdrehen. Keilriemen runter, Schlauch eingeführt und in ein Behältnis gesteckt, den Vorratsbehälter mit frischem Öl befüllt und "Energie" auf die Bohrmaschine! Langsam und geschmeidig, mit leichten Schnurren beginnt der Anker sich im innern der Maschine zu drehen und versetzt Bohrkopf und meine Antriebsscheibe in Rotation, diese Drehbewegung überträgt sich auf die Pumpe, die nun, sich ebenfalls drehend ihrer Aufgabe nachkommt und pumpt. Es funktioniert tadellos und ich bin schlicht begeistert!

Nach einer Weile verfärbt sich das durch gepumpte Öl vom schmutzigen Grau in ein freundliches Rot und die Sache ist gelaufen.
Nun füge ich alles wieder zusammen und selbst der Besuch kann mich nicht mehr schrecken, zu schön ist dieser Anblick!

Hier die Flüssigkeiten, Rechts das was aus dem Vorratsbehälter stammt, in der Mitte die durchgepumpte Suppe und links die nach und nach austretende, saubere Flüssigkeit.

Gruß; Willy