82-Elektr. Anlage: Heckleuchten Geschrieben am Dienstag, 22.Oktober 2002 @ 18:58:32 CEST
Thema: Reparatur
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Die semipermeable Haltung alternder Gummidichtungen an Rückleuchten nach Jahren ihres dichterischen Schaffens, erhöht die Gefahr von feuchten Stellen im Kofferraum. Wie man ihn wieder trockenlegt erklärt der Artikel.
Werkzeug & Arbeitsmittel
- 8.er Maulschlüssel
- 10.er Maulschlüssel
- Gießkanne und Wasser
- Staubpinsel
- Silikon Dichtmasse, transparent
- Kontaktspray
In die Jahre gekommen, sorgen die Gummidichtungen der Heckleuchten für die überraschende Erkenntnis, dass auch sie zu den
Verschleißteilen eines 107.er gehören. Spröde geworden, gewähren sie Regenschauern und Waschwasser Einlass, dorthin, wo der gemeine SL-Fahrer bislang die trockenste Stelle des Wagens vermutete: In den Kofferraum. Unangenehm wird dies nicht nur, weil in der dort untergebrachten Golfausrüstung das Siebener Eisen zur Roststange welkt, sondern auch und besonders, weil einige empfindliche Teile des Wagens dort, nicht sehr gut gegen Korrosion geschützt, verbaut wurden. Eine durchrostete Ersatzreifenmulde gehört dabei noch zu den kleineren Übeln.
Um nun die Dichtungen der Heckleuchten auszutauschen beginnen wir mit der Demontage der Teppichverkleidung des Kofferraums, wobei wir uns in erster Linie den Seitenteilen und dem Hängeteppich unterhalb der Heckkante widmen. Um den Kofferraum gleich nach etwaigen Rostschäden zu untersuchen ist der Ausbau des
Reserverades sowie die Entfernung des Wagenhebers ebenfalls ratsam.
In den Kofferraum gebeugt erkennen wir im Heckblech zwei hellgraue oder schwarze Boxen, die mit je zwei Rändelmuttern an der Innenseite der Leuchten für die Aufnahme der Leuchtmittel, der Volksmund sagt auch "Die Birnen" und zum Schlagschutz der selben am Leuchtenrahmen befestigt sind. Diese Plastikmuttern lassen sich ohne Kraftanstrengung mit den
bloßen Händen abdrehen. Mit einer Hand sollte man jedoch die Boxen festhalten, weil die uns jetzt noch verborgenen Birnen beim Herunterrutschen Schaden nehmen könnten. Sind beide Rändelmuttern gelöst, zieht man die Box vorsichtig in Fahrtrichtung vom Lampenrahmen weg.
Die Box ist mit dem Stecker des Kabelstranges der Stromversorgung verbunden, der nun gelöst werden kann. Nachdem die Birnen auf Ihren Zustand gecheckt und das Innengehäuse mit einem Staubpinsel gereinigt wurde, legen wir die Box beiseite und widmen uns dem Rahmen der Heckleuchten
Die fünf roten Pfeile in Bild weisen auf die fünf Muttern, die jetzt mit dem 8.er Maulschlüssel zu lösen sind. Sie geben der Heckleuchte in der Karosserie halt und pressen durch ihren Zug die Dichtung in ihre Position. Sind diese Muttern entfernt, zieht man die Leuchte sehr vorsichtig vom Heck des Wagens ab. Achtung, sie ist über Eck angebracht, wie bei MB nicht anders zu erwarten, schwerer als man denkt und eine der scharfen Schraubenkanten hat meinen Lack beim abrutschen .... Schade aber auch.
Lack und Heckleuchte noch unbeschädigt seht Ihr im Bild unten die drei Grundelemente der Heckleuchte: Leuchtenglas, Alurahmen und Dichtung. Giorgio, der meine Bastelarbeiten überwachte, gehört jedoch nicht zur Grundausstattung eines R107.
Die Dichtung wird nun abgezogen, wobei darauf zu achten ist, dass sie die Schrauben umschließt, deren Muttern ihr eben gelöst habt. Möglicherweise ist der Gummi noch zu reparieren und das Ausreißen dann der auffälligste Schaden. Im nächsten Schritt kommt der 10.er Ringschlüssel zum Einsatz. Mit ihm werden die Muttern gelöst, deren Schrauben den Alurahmen mit dem Leuchtenglas verbindet. Die sechs Muttern entschraubt, lässt sich das Glas vom Rahmen trennen und die Reflektoren liegen nur noch lose auf. Vorsicht: Diese Leuchtkraftverstärker mögen keine Fingerabdrücke und sie sollten bei dieser Gelegenheit von innen mit dem sauberen Staubpinsel gereinigt werden. Der Alurahmen wird von den Dichtungsresten befreit und das Lampenglas feucht ausgewischt und auf Schäden untersucht. Wie man Schäden am Lampenglas ohne Auffahrunfall verursacht wird hier später noch gelehrt.
Ist alles gereinigt und liegt eine neue oder überarbeitete Dichtung bereit, ist es an der Zeit, den Rückwärtsgang einzulegen. Die größte Vorsicht lässt man jetzt beim Verschrauben des Leuchtenglases und des Rahmens walten. Die Schrauben sind in das Glas (Plastik) eingegossen und sollten die Muttern auch nur einen Hauch zu hart angezogen werden, springt das Glas. Besonders beliebt sind dabei
Außenrundungen. Die meisten SL, beobachtet das mal auf der nächsten Club-Ausfahrt, haben in den Lampengläsern kleine Halbmonde eingerissen, die von der Viertelumdrehung "nach fest" rühren. Da diese Verbindung zwischen den beiden Teilen nicht wirklich tragend ist, ist etwas weniger fest nicht schädlich und Ihr erspart euch eine weitere mögliche Ursache für Wassereintritt im Kofferraum.
Die neue oder überarbeitete Dichtung wird nun wieder vorsichtig auf den Alurahmen gezogen und durch kneten und anpressen, irgendwie, in die richtige Lage gebracht. Mit irgendwie ist gemeint, dass die neuen Dichtungen nicht zwingend genau auf den Rahmen passen. Besonders in den "Kurven" sind sie sehr "entgegenkommend" und manchmal nicht weit genug geschnitten.
Nun setzt Ihr die Leuchte wieder in die passende Seite des SL ein, verschraubt sie, recht fest, schließt den Kofferraum (ohne die Teppiche einzulegen) und macht einen intensiven "Gießkännchentest". Das Wasser sollte in vollem Strahl von allen nur denkbaren Seiten an die Rückleuchte gegossen werden. Öffnet danach den Kofferraum und schaut, ob sich wieder kleine Rinnsale dort gebildet haben. Die Wahrscheinlichkeit ist recht hoch und Ihr haltet den 8.er Maulschlüssel
besser noch eine Weile in greifbarer Nähe. Sollte sich trotz ziemlich festem Anziehen der Muttern keine Besserung einstellen, kommt die Karrosserie-Dichtmasse zum Einsatz.
Die Leuchte kann nun wieder mit den fünf Muttern mit der Karosserie verschraubt werden!
Die fünf Bohrungen (im Bild rot eingezeichnet) durch die die Schrauben der Heckleuchte durchzustecken sind, werden bei neuen Dichtungen häufig missachtet. Legt also einen Ring aus Fugensilikonmasse um jedes der Löcher (s. im Bild unten die rote Markierung) und zieht die Muttern erneut und etwas fester an.
Eventuell wird die Dichtung in den schon beschrieben Kurven im unteren Eck der Heckleuchte nicht so geschnitten sein wie die
Originale. Es scheint ein Stück zu fehlen. Natürlich könnt Ihr jetzt ohne Leuchten zum DC-Händler Eures Vertrauens fahren um Sie umzutauschen. Vermutlich werdet Ihr euch aber nur weiterbildende Informationen über Fertigungstoleranzen, dem Eigenleben des Quasi-Naturproduktes Gummi und "Jaaah,-früüher"- Boulevardstücke anhören dürfen oder in zwei Wochen eine Dichtung aus der gleichen Presse, mit den gleichen Toleranzen abholen dürfen. Behelft Euch jedoch lieber mit etwas mehr Karrosserie-Dichtmasse zwischen Gummdichtung und Glas an den entscheidenden Stellen.
Zwischendurch den Gießkännchentest und kaum ein paar Minuten später habt Ihr wieder fast neue, dichte Rückleuchten. Jetzt noch ein wenig Kontaktspray auf die Stecker der Stromversorgung, die Box festgerändelt und Eurer Schmuckstück ist wieder fahrbereit. Macht sicherheitshalber noch einen Beleuchtungstest ... man
weiß ja nie!
ArnoK
Nachtrag: Der Artikel beruhte Ursprünglich auf der Annahme, dass farblose Silikondichtmasse aus dem Baumarkt das geeignete Mittel zur Abdichtung der Heckleuchten sei. Im Forum wurde jedoch ein Einwand laut, den ich hier in gekürzter Form wiedergeben möchte.
Moritz:
"Die an sich günstigen Eigenschaften von RTV Silikonen habe den Haken, daß sehr häufig bei der Aushärtung Essigsäure freigesetzt wird. Die sollte nicht in die Nähe eines 107ers gelangen. Da dies nicht auf allen Packungen eindeutig dokumentiert ist, rate ich dazu ausschließlich speziell für den Karosseriebau (z.B. Teroson) formulierte Dichtmassen einzusetzen."
Frage: Welche Produkte hältst Du für die geeignetsten?
Moritz: "Das braucht man nicht religiös zu sehen, es gibt eine Reihe bewährter Sachen, u.a. von Teroson oder Dow Corning. Je nach Anforderung reicht das von dauerklebrig/plastisch bis zu aushärtenden Elastomeren. Packungen studieren ist unvermeidlich.
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