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41-Gelenkwelle: Gelenkscheibe hinten ersetzen Geschrieben am Montag, 10.März 2003 @ 19:00:00 CET
Thema: Reparatur
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Irgendwann steht es wohl bei jedem mal an, ich würde sagen, je mehr Drehmoment Euer 107er hat, umso früher. Bei mir war es der TÜV, der mich auf den Mangel aufmerksam machte: "Gelenkscheibe hinten rissig". An meinem SL war es die hintere Scheibe, die vordere wurde bereits vom Vorbesitzer gewechselt. Daher wird hier nur den Tausch der hinteren Scheibe beschreiben, auch bekannt unter dem klingenden Namen "Hardyscheibe". Es handelt es sich um ein eher kurzlebiges Verschleißteil, dessen Austausch auch von Laien gut selbst durchgeführt werden kann.
Werkzeug:
- 2
Ring- oder Maulschlüssel 19 mm
- Montierhebel
(30 - 40 cm lang)
- Drehmomentschlüssel
- Inbusnuss
10 mm, bzw. Sechskantnuss 19 mm
Material:
-
6 Schrauben
-
6 Muttern
-
6 Unterlegscheiben
-
Gelenkscheibe
-
Simmerring
-
Heißlagerfett
Anmerkung: Da es
mehrere verschieden Ausführungen gibt muß unbedingt die Fahrgestellnummer bei
der Materialbestellung vorliegen.
Vorraussetzung für die nachfolgend beschriebenen Arbeiten
ist eine Grube, Hebebühne, oder sonstige Möglichkeit den Wagen stabil
anzuheben um unter ihm arbeiten zu können.

Als erstes lösen wir alle Schrauben rund um die
Gelenkscheibe. Steht das Getriebe auf Leerlauf und die Hinterräder sind frei
beweglich, kann man die Kardanwelle prima von unten drehen. Ich weiß nicht ob
es wichtig ist, aber die Stellung des Differentials zur Welle habe ich mir mit 2
Farbpunkten auf den Achsen markiert.
Entgegen vieler Meinungen, man müsste die Kardanwelle
komplett ausbauen, stimmt dies nicht. Ein Hoch auf Mercedes, welche die
Kardanwelle so gebaut haben, dass man sie ein Stück zusammenschieben kann. Mit
einem Montierhebel drückt man die Kardanwelle daher ein Stückchen vom
Differential weg, so daß diese aus ihrer Zentrierhülse rutscht. Die
Gelenkscheibe klebt manchmal hartnäckig an den Wellen, mit leichten Hammerschlägen
ist diese aber zu lösen.

Achtung! Der
Zentrierstift, der vor eindringender Nässe und Schmutz schützt, steckt in der
Achse des Differentials und ist in der Buchse der Kardanwelle zentriert. Diese
Buchse ist mit einem Simmerring abgedichtet, welcher bei verkantetem
Herausnehmen der Kardanwelle leicht einreißt. Daher empfehle ich, diesen
Simmerring gleich mit auszutauschen, auf die paar Cent sollte es nicht ankommen.
Nach Zusammenschieben der Welle, kann nun die Gelenkscheibe
heraus genommen werden. Zentrierstift und Zentrierhülse sind gründlich von
Schmutz zu reinigen.
Die Zentrierhülse der Kardanwelle wird anschließend mit Fett gefüllt, der
Simmerring vorher wie bereits erwähnt gewechselt.
Achtung! Der
Zentrierstift am Differential muß blitzblank sein, Schmutz verkürzt seine
Lebensdauer ganz wesentlich.
Vorsichtig werden nun Kardanwelle und Differential wieder
zusammengeführt.
Achtung: Nicht
verkanten und vorsichtig zusammenfügen, damit der Simmerring nicht beschädigt
wird.
Nun alle Schrauben wieder einfügen und auf die zu Beginn
angebrachte Markierungen achten. Unnötig zu sagen, daß natürlich neue
Schrauben und Muttern (selbstsichernde) verwendet werden.

Tipp! Alle Schrauben
werden in Richtung des Differentials eingeführt, alle Muttern kommen also
auf die Differentialseite. Die Unterlegscheiben allerdings liegen alle (!!!) auf
der Hardyscheibe, also mal unter dem Schraubenkopf, mal unter der Mutter.
Unlogisch, ist aber so. Ein Drehmomentschlüssel gehört in jede Hobbywerkstatt,
90Nm Anzugmoment ist für die Schrauben in Ordnung.
Das war's gewesen, jetzt kann der TÜV-Mann wieder lachen.
Gelenkscheiben mit Rissen sind normalerweise ein erheblicher Mangel und machen
eine Wiedervorführung nötig. Aufgrund des ansonsten neuwertigen Zustandes
meines SL hat der Prüfer aber ein Auge zugedrückt und geringe Mängel
eingetragen. Ihm war wohl klar, dass ich mit meinem guten Stück so nicht weiter
fahren werden. Wie recht er doch hatte...
Also direkt runter von der Bühne, Dach auf und los geht
die Tour durch den schönen Pfälzer Wald ;-)
Mad
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Re: Gelenkscheibe hinten ersetzen (Punkte: 1) veröffentlicht von Micha B. (gismorex@aol.com) am Mittwoch, 19.März 2003 @ 07:38:33 CET (Userinfo | Artikel schicken) http://www.Sternzeit-107.de |
Zum Wechseln der Hardyscheibe eine KLEINE Anmerkung :
Wenn jemand die Gelenkwelle an meinem R107 mal eben so ein wenig mit Gewalt zusammenschieben würde, um die HARDY-Scheibe freizubekommen, dann würde ich Ihn schlagen !!!
Bei meinem ist die Gelenkwelle (die natürlich einen Schiebesitz zum Einstellen der korrekten Länge hat) am Schiebsitz mit einer Überwurfmutter gesichert. Bei mir hat eine Fachwerkstatt die Hardyscheiben und das Mittellager (das freut sich übrigends auch sehr über ein gewaltsames Zusammendrücken - der Schiebesitz liegt zumindest bei meinem R107 zwischen Mittellager und Getriebe) gewechselt und die Gelenkwelle NICHT auf die richtige Länge eingestellt -> Folge : ein undichtes Hinterachsmittelstück (Differential); warum das undicht wird, ist klar (ich möchte das hier nicht ausufernd beschreiben).
Ich kann mir eigentlich (ich kläre das mal) auch für die 107, die nicht so - wie ganz ganz sicher meiner - konstruiert und erprobt worden sind, kaum vorstellen, daß das Schiebestück nicht vorher gelöst und nach der Aktion wieder nach Einstellen der korrekten Länge der Gelenkwelle festgezogen werden muß.
Das Zusammendrücken halte ich für KRASS bedenklich !
Das Einstellen der Länge der Gelenkwelle nach dem Wechseln der HARDY-Scheibe/Scheiben (wenn die hintere fertig ist, ist die vordere meist genauso fertig) ist insofern ein kleiner Akt, als daß man/frau die Verschraubung offen läßt, das Fahrzeug hin und herrollt, durchfedert und dann die Verschrauung (Überwurfmutter) mit 35-40 Nm wieder anzieht. Wenn die sich gelockert hat, kann man/frau die Gelenkwelle natürlich nach Belieben in der Länge verändern (zusammendrücken), aber das war sicher nicht im Sinne der Erbauer unseres schönen Fahrzeugs - wozu sonst die Verriegelung per Überwurfmutter.
Daß diese Verschraubung nicht besonder gut zugänglich ist (ich habe zum Einstellen die Abgasanlage kurz ausbauen müssen) und man Sonderwerkzeug braucht, macht die Sache nicht grade einfacher.
Gruß
Frank |
Re: Gelenkscheibe hinten ersetzen (Punkte: 1) veröffentlicht von Mad_Eye_Moody (mail@franke-michael.de) am Sonntag, 08.Juni 2003 @ 08:42:43 CEST (Userinfo | Artikel schicken) http://www.erholungsreif.de | Muß hier nun doch auch noch eine kleine Anmerkung schreiben, da meine Reparaturanleitung einen Fehler erhält. Ich schrieb von Austausch des Simmerrings der Zenrierbuchse für ein paar Cent, was so leider nicht stimmt. Den Simmerring erhält man nicht einzeln, stattdessen muß die komplette Zentrierbuchse samt Simmerring getauscht werden, sollte der Simmerring defekt sein. Kostet dann doch so um die 80,00 Euro, wie ich nun bei meinem 124er erfahren musste. Ein Austausch der Buchse bei eingebauter Kardanwelle ist dann zwar schwierig, aber möglich. Diese sitzt recht stramm in der Welle drin und muß ziemlich gewaltsam (große Rohrzange) herausgedreht werden. Funktioniert aber dann doch recht gut, habe es gerade gestern selbst ducrhgeführt.
Gut zu wissen: Diese Buchse ist oft für Vibrationen im Antriebsstrang verantwortlich, da der Zentrierstift darin nur in Kunststoff gelagert ist. Gerade bei defektem Simmerring läuft das Fett aus, die Buchse läuft trocken und schlägt aus.
Zur Anmerkung des Zusammenschiebens:
Selbst laut DB stellt dies kein Problem dar, da der Schiebesitz nicht so fest angezogen wird, das ein Zusammenschieben der Welle bedenklich wäre. Wer hat nun recht? Das soll jeder selbst entscheiden. Da ich dies bei mehreren 124ern und 126ern schon erfolgreich und ohne Folgeschäden praktiziert habe, welche nach der Reparatur auch nach weiteren 100.000 km keinerlei Probleme bzw. Undichtigkeiten am Differential oder sonstwo zeigten, sehe ich die Sache etwas unverkrampfter. Mein 107er hat nun auch schon wieder 3000 km nach der Reparatur gelaufen, alles wunderbar und problemlos. |
Re: Gelenkscheibe hinten ersetzen (Punkte: 1) veröffentlicht von ThomHolger am Freitag, 29.August 2003 @ 10:22:00 CEST (Userinfo | Artikel schicken) | So, nun ist endlich auch meine drin. Voll guter Vorsätze wollte ich den Schiebesitz lösen, scheiterte aber an den Schrauben des Auspuffrohres am Krümmer, die sich schwerlich allein lösen lassen, wenn die Muttern oben durchdrehen. Also folgte ich allein Mads Weg. Folgende Anmerkungen:
Zunächst benötigt man beim 300SL 15er und 17er Maulschlüssel und eine 8 Inbusnuss.
Anzugsmomente für die Schrauben sind 40Nm bei M8 (300SL) und 60Nm bei M10 (alle V8?).
Mein Schiebesitz war so lose, dass er sich das erste Stück zunächst leicht schieben ließ. Es war aber wie ein Schieben gegen eine starke Feder. Je weiter man die Welle reinschiebt, desto schwerer geht es und anschließend federt sie sofort wieder zurück. Insbersondere bei Einbau der neuen Scheibe und beim Bewahren des Simmerrings kompliziert das die Geschichte enorm. Ein Spanngurt zum Zurückziehen funktionierte nicht so gut, nur mit Montierhebeln geht es (außer man ist chin. Großmeister) auch schwerlich. Ich habe schließlich eine Schnur mit mehreren Schlaufen genommen, wo ich mit Montierhebel nach hinten und den Füßen nach unten ziehen konnte und noch eine Hand zum Lenken übrig hatte. Das soll heißen, ich hätte einen Helfer nicht als überflüssig empfunden.
Ich weiß nicht, ob es die Welle bei Mad auch so zurückgefedert ist und wenn ja, wie er damit klar kam. Ich würde jedem Einzelmechaniker empfehlen, den Schiebesitz zu lösen, wer einen Helfer hat, beschädigt aber vermutlich nichts, wenn er ohne Lösen des Schiebesitzes arbeitet. Im Alleingang ist aber die Gefahr groß, dass der Simmerring auf der Stecke bleibt oder die Gelenkscheibe beschädigt wird.
Holger |
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