Am 29.03.2003 veranstaltete der R/C 107 SL-Club in Brilon einen Workshop mit Schwerpunkt Achsenrestauration, zu der die Referenten mit diversen Exponaten anreisten und so für interessante Einblicke sorgten.
Der aufmerksame Leser wird gleich über das Wort Achsen- "Restauration"
gestolpert sein. Wieso wird hier von "restaurieren" und nicht von
"reparieren" gesprochen? Ganz einfach, hier haben sich die drei
Clubfreunde Dirk, Dietmar und Martin zusammen getan und sind im Sinne des
maximalen Werterhalt, bzw. der Wertsteigerung ihrer geliebten 107er bewußt
über die übliche Instandsetzung hinaus gegangen und haben die Vorder- und
Hinterachsen ihrer Fahrzeuge im besten Wortsinn von Grund auf restauriert.

Dietmar und Dirk
Bei dieser Prozedur wurde nicht nur der ehemalige Neuzustand angestrebt,
vielmehr haben die drei eine Verbesserung hin zu einem möglichst langen und
korrosionsfreien Leben angestrebt. Dazu muß man wissen, daß die Achsteile
werkseitig nur mit einem dünnen Lacküberzug versehen sind, der sich zudem als
wenig stoßfest erwiesen hat.
Um Arbeiten an den Achsteilen verrichten zu können, müssen diese komplett ausgebaut
und bis auf die letzte Schraube zerlegt werden. Anschließend wurden die
einzelnen Bauteile mit geeigneten Materialien gestrahlt und je nach Einsatzzweck
spritzverzinkt und kunststoffbeschichtet, bzw. gelb vernickelt. Das dabei auch
den Hohlräumen der Achskörper über werkseitig vorhandene Bohrungen mit
Rostumwandlern, Beschichtungen und Hohlraumwachs zu Laibe gerückt wurde ist
selbstverständlich.

Vorderachse
Der Zusammenbau erfolgte dann mit neuen und fast ausschließlich
originalen Teilen. Im Zuge des Vortrags gingen die Referenten nicht nur auf die
Besonderheiten der verschiedenen Achstypen und deren Bauzeiten ein, vielmehr
berichteten sie offen auch über die Fehlschläge, die sie auf dem langen Weg zu
solch einem perfekten Ergebnis durchlebt haben.

Vorderachse (linke Seite)
So erfuhr der Kursteilnehmer unter Anderem von den Hinterachsschwingen der
280/300/350er Modelle, welche nicht über die sogenannte Koppelachse verfügen.
Im Gegensatz zu den Alu-Achsschenkeln der Koppelachse bestehen diese nämlich
aus Blechtiefziehprofilen, die aufeinander gelegt und verschweißt werden, wie
der vordere Achsträger übrigens auch. Im Gegensatz zum Achsträger sind aber die
Stahl-Achsschenkel nicht selten mit Durchrostungen aus dem Strahlbetrieb zurück
gekommen und waren für eine Weiterverwendung aus Sicherheitsgründen somit
ungeeignet.

Koppel-Hinterachse
Als eigentlich fatal an der Sache, so die Referenten, stellte
sich neben den gesalzenen Ersatzteilkosten für entsprechende Neuteile die
Tatsache heraus, daß diese Durchrostungen keinesfalls nur an sehr frühen
Modellen zu finden waren. Das jüngste Fahrzeug, welches mit derart perforierten
Achsschenkeln aufwartete, entstammte dem Baujahr 1984. Mithin also ein doch
relativ junges Fahrzeug!

Koppel-Hinterachse (rechte Seite)
Neben dem Wunsch nach einem besseren Fahrverhalten war der
schlechte Zustand der Achsschenkel auch der Hauptgrund für Dirk seinen 280er SL
auf die Koppel-Hinterachse der größeren Modelle umzurüsten. Diese sind, dem
größeren Drehmoment der hubraumstärkeren Motoren Rechnung tragend, mit einem
sogenannten Brems-Nick-Ausgleich ausgestattet und verhindern erfolgreich ein zu
starkes Einfedern des Fahrzeughecks beim starken Beschleunigen.
Eine Umrüstung der Achsen ist übrigens grundsätzlich
möglich. Der Achskörper ist bei beiden Achstypen gleich, lediglich die
Achsschenkel und die Anbauteile der Radführung sind unterschiedlich und müssen
umgerüstet werden. Dennoch gilt es, neben unzähligen kleinen, die
einschneidenden Änderungen vor und nach der Modellüberarbeitung im Jahr 1985
zu beachten.
Derartige Workshops veranstaltet der R/C 107 SL-Club übrigens
in unregelmäßigen Abständen zu den verschiedensten Themen für seine
Clubmitglieder in unterschiedlichen Regionen Deutschlands.
Micha B.
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