Immer wieder ist im Forum die Rede von der Vorderachse, die das Fahrverhalten auf das heftigste negativ beeinflussen kann. Was genau da passiert und wo wir die angesprochenen Ersatzteile am Fahrzeug finden erklärt Willy recht anschaulich.
Die Vorderachsen des Typ 107, wir haben erfahren, das sie
das Fahrverhalten unserer 107er entscheidend beeinflusst. Hier möchte ich mit
einfachen Worten erklären, warum das so ist. Zunächst mal finde ich es etwas
verwirrend, das Gebilde unter unseren Autos schlicht Achse zu nennen, es ist
viel mehr als nur eine Achse. Was aber war ursprünglich eine Achse? Nehmen wir
einen Bleistift mit rundem Querschnitt und stecken ihn durch die Öffnung einer
CD. Jetzt halten wir den Stift fest und drehen die CD,....somit ist der
Bleistift eine Achse. Hier sehen wir eine der einfachsten, lenkbaren
Vorderachsen.

Hier eine Weiterentwickelung, nicht mehr die ganze Achse
wird gelenkt sondern nur noch die Räder über Achsschenkel.

Damit kommen wir bei unseren 107ern aber kaum weiter, hier
muss sich das Rad nicht nur um die Achse drehen und zur Fahrtrichtungsänderung
geschwenkt werden, nein, damit wir es kommod haben, will das Rad obendrein noch
gefedert werden.
Wir sehen schon, hier sind einige Dinge, die sich drehen
und wenden und dabei natürlich einem Verschleiß unterliegen, dies werden wir
nun einmal ergründen. Auf dem nachfolgenden Bild ist eine Vorderachse vom R/C
107 zu sehen.

BILD1
Mit lenken, federn, drehen und schwenken ist aber immer
noch nicht alles getan, obendrein trägt die Achse auch den Motor!

BILD2
Hier sehen wir die Achse von oben. Darauf liegt, mit den
Gummiblöcken (1) elastisch verschraubt, der Motor. Wenn diese Motorlager sich
im Laufe der Jahrzehnte „gesetzt“ haben und das Gummi weich geworden ist,
dann haben auch die Motorstoßdämpfer, die die Motorbewegungen und
-Schwingungen zusammen mit den Lagern unter Kontrolle halten sollten, ihre
aktive Zeit weit hinter sich!
Der Motor schaukelt, seines festen Sitzes beraubt, mehr
oder weniger haltlos im Motorraum herum und als äußeres Zeichen kann er beim
„strammen“ Anfahren in einer Kurve schabende Geräusche von sich geben.
Diese werden vom Kühlventilator erzeugt, der sich an dem ihn umgebenden
Luftleitgehäuse reibt. Mit 2 habe ich die vier Achsgummis, die unsere Achse mit
dem Fahrzeug elastisch verbinden, kenntlich gemacht. Sind diese „Gummis“
ebenfalls verschlissen, auch sie werden weich und setzen sich, dann schaukelt
nicht nur der Motor auf der Achse, nein, diese schaukelt noch dazu für sich im
Fahrzeug herum.
Die Folge ist eine eher mangelhafte Spurtreue und ein, ich
sage mal „Zittern und Beben“ im ganzen Fahrzeug wenn beispielsweise
schlechte Wegstrecken oder Bahngleise überfahren werden. Das Auto mag nicht so
recht dorthin fahren wo wir es gerne hätten, wir müssen beständig mit der
Lenkung korrigieren um halbwegs auf Kurs zu bleiben! Werden diese 6 Gummilager
gewechselt, die schon nach wenigen Jahren verschlissen sein können, erkennen
wir unser Auto kaum wieder. Aber auch die „aktiven“ Fahrwerksteile
unterliegen natürlich einem Verschleiß!

Auf diesem Bild erkennen wir den oberen und den unteren
Dreieckslenker, sie haben die Aufgabe, dem Rad das gefederte Auf und Ab zu ermöglichen.
Die Feder liegt unten im Dreieckslenker und stützt sich oben gegen den Achskörper
ab, (Bild 2 Nr.4) Die Lager, (Bild 2 Nr.3) dürfen also nur eine vertikale
Bewegung zulassen, sind sie verschlissen, dann „zappelt“ das Rad mit den
Dreieckslenkern auch wagerecht vor sich hin und ein weiterer Schritt zur
„Unfahrbarkeit“ ist getan.
Schlaffe Federn lassen das Fahrzeug tiefer sinken und mit
defekten Stoßdämpfern springt das Rad und verliert zeitweise den Kontakt zur
Fahrbahn, was für die Spurtreue nicht gerade förderlich ist, außerdem leidet
der Komfort erheblich. Zu guter letzt kann die Lenkung Spiel und Unruhe in unser
Auto bringen. Hier sind die beiden Kugelgelenke, einmal das Traggelenk, (unten rechts neben dem Stoßdämpfer)
und das Gegenstück am oberen Dreieckslenker, dort heißt es Führungsgelenk,
die verschleißen. Die beiden Gelenke ermöglichen die Lenkbewegung der Räder.
Für die Spurtreue sind sie aber nicht so wichtig. Sie
haben darauf nicht einen so großen Einfluss, viel wichtiger ist, dass sie Rad,
Bremse und alles was dazu gehört, am Auto festhalten.

Weiteres Spiel kann durch die Lenkung selbst verursacht
werden. Das Lenkgetriebe und die Kugelköpfe des Lenkgestänges verschleißen
und wenn alles zusammenkommt, dann wird es wirklich gefährlich. Wenn also die
Rede von einem "selbstlenkenden" 107er ist, so müssen wir davon
ausgehen, dass laufleistungsabhängig meistens alle Bauteile gleichmäßig
gealtert, bzw. verschlissen sind. Aus diesem Grund wird immer wieder zu einer
Komplettsanierung geraten. Man kann mit dem Austausch einzelner Komponenten zwar
Teilerfolge feiern, das werkseitig gewollte Fahrverhalten lässt sich so aber
nicht wieder herstellen.
Willy
Bilder: Dirk u. Micha B.
Wer mehr zu diesem Thema wissen möchte, dem sei die Homepage
von Dirk empfohlen. Dort zeigt er die vielen Stationen der Restauration in unzähligen
Bildern und gibt Informationen dazu.
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